09. Februar 2011 in Kategorie: Zahnmedizin
Damit sich jeder Patiententermin effizient und produktiv gestaltet, muss jeder Arbeitsschritt auf seine Folgen für die weiteren Maßnahmen hin hinterfragt werden. Mit dieser Betrachtungsweise wird die Bestimmung der Grundfarbe zum wichtigen Punkt, nicht nur für laborgefertigte Restaurationen und die Kommunikation mit dem Techniker, sondern auch für direkte Füllungen ...
... Nur die verlässliche Farbnahme führt zur korrekten Farbe und minimiert das Risiko für Neuerstellungen. Der Autor stellt im Folgenden einen Fall mit Zahnhalskaries dar, der mit Unterstützung der digitalen Farbmessung gelöst wurde. Wegen des Farbverlaufs vom intensiven Gelbton in der Tiefe zum helleren Schmelzton liegen hier besondere Anforderungen für den Schichtaufbau.
Man muss sich vor Augen halten, dass die herkömmliche Bestimmung mit dem Farbring den Einflüssen der Beleuchtung und Lichtverhältnisse insgesamt unterliegt. Die Ausdrucksweise „mit dem Farbring“ macht bereits das Problem deutlich. Unbewusst schreibt man das Ergebnis der Bestimmung dem Farbring zu und hält dieses spontan für verlässlich. Richtigerweise muss es lauten: „Mit Hilfe des Farbrings“, denn der ausgesuchte Farbwert kommt lediglich durch Vergleich zwischen Zahn und Farbmusterplättchen unter gewissen Lichtbedingungen zustande. Die Bestimmung der Farbe wird tatsächlich mit den Augen und durch Gehirnleistung unter Einfluss von Außenlicht vorgenommen. Damit ist das gewonnene Ergebnis nicht objektiv und kaum reproduzierbar. In einer modernen Praxis sind oft die Wände in den Behandlungsräumen in patientenfreundlichen Farbtönen gehalten, dies wirkt sich auf die im Raum herrschende Lichtmischung aus, ebenso wie Lampen, Röhren und das durch die Fenster je nach Wetter und Tageszeit einfallende Licht. So kann der Farbeindruck leicht verfälscht werden, auch mit Tageslichtröhren über der Behandlungseinheit. Fällt dann beispielsweise die Füllung im Frontzahnbereich zu hell beziehungsweise zu dunkel aus, ist ein Korrekturtermin fällig. Das bedeutet ineffizientes Arbeiten für die Praxis und Unmutsäußerungen von Seiten des Patienten, denn es muss neuerlich exkaviert werden.
Dieser Unwägbarkeit des Farbergebnisses kann aus dem Weg gehen, wer definiertes Messlicht verwendet und die Bestimmung der Zahnfarbe dem digitalen Messgerät überlässt. Wir setzen das Gerät VITA Easyshade Compact (Vita, Bad Säckingen) ein (Abb. 1) und sind mit den Erfahrungen zufrieden. Der folgende Patientenfall verdeutlicht das Vorgehen.
Patientenfall: Zahnhalskaries
In unserer Praxis in Tuttlingen stellte sich ein 34-jähriger Mann mit wärme- und kälteempfindlichem Zahn 12 vor. Es wurde Zahnhalskaries diagnostiziert (Abb. 2), möglicherweise nach einer Läsion auf Grund des Genusses moderner säurehaltiger Getränke entstanden. Die weitere Befundung ergab ein ansonsten gesundes Gebiss. Mit seinen makellosen Zähnen war der Patient sehr glücklich und er wünschte sich die perfekte Wiederherstellung der natürlichen Ästhetik für den kariösen Frontzahn. Er wollte die „Reparatur“ anschließend gerne vergessen können, da sie nicht in sein Bild von jugendlicher Gesundheit, Vitalität und Widerstandskraft passte. Als weitere Herausforderung kam hinzu, dass der Patient eine hohe Lachlinie besaß. Eine farblich nicht passende Restauration und die Füllungsränder würden also ständig entblößt und als solche erkannt werden.
Für eine Füllung im Zahnhalsbereich führen wir meist zwei Messungen durch. Vor der Trockenlegung wurde ein Referenzzahn ausgewählt und zervikal gemessen, um die Schmelzfarbe zu bestimmen. Die zweite Messung erfolgte nach der Exkavation in der Kavität selbst, dies legte die intensivere Farbe für den apikalen Anteil der Füllung fest; im hier vorgestellten Fall fügten wir eine mittige Messung im Einzelzahnmodus hinzu (Abb. 3). Wir lasen die Werte im Modus „VITA classical A1-D4“ ab, da das verwendete Komposit dieser Skala folgt. Entsprechend den Farbergebnissen wurde der Schichtaufbau festgelegt, in diesem Fall wählten wir Dentin A3 und Schmelz A3 über einer ersten Schicht aus fließfähigem Komposit mit der Farbe A3,5. Die intensive Farbe wurde als Linse angelegt, die Kavitätenwände und das obere Inkrement folgten in der helleren Farbe. Der Chamäleon- Effekt sorgte für das gewünschte Farbspiel aus der Tiefe, die farblich passenden Füllungsränder verschwammen vollständig in der umgebenden Zahnhartsubstanz (Abb. 4). Als sich der Patient einige Tage später zur Kontrolle wieder vorstellte, wurden der Referenzzahn und die Füllung zur Dokumentation gemessen, sowohl die Werte der digitalen Bestimmung als auch der Augenschein überzeugten. Wir verwenden das Farbmessgerät VITA Easyshade Compact seit Juli 2010 regelmäßig bei direkten Restauratonen, Farbkorrekturen sind seither nicht angefallen.
Das Vorgehen
Gleich von der ersten Messung an war das Vorgehen einfach. Das Display am Geräteboden ist intuitiv erfassbar, Pfeiltasten führen durch das Menü vor und zurück. Das Gerät ist kabellos ausgeführt, die Assistentin kann es immer leicht von seiner Ladestation am zentralen Platz entnehmen und zur Arbeitsplatzvorbereitung in den entsprechenden Behandlungsraum mitbringen. Vor der ersten Verwendung schaut man lediglich in das Benutzerhandbuch (www.vitazahnfabrik.com/resourcesvita/ shop/de/de_3055212.pdf) und macht sich auch auf Seite 8 mit dem Anlegen der Infektionsschutzfolie vertraut. Man kann sich die Handhabung des Easyshade Compact auch von seinem Techniker zeigen lassen. Wir hatten ihn vor der Anschaffung nach einem digitalen Messgerät gefragt und profitieren so von seinen Erfahrungen. Bei indirekten Restaurationen nutzen wir unsere Geräte zur Farbkommunikation, neben Bildern und anderen Informationen. Bei großflächigeren Füllungen wählen wir die Drei-Punkt-Messung, im geschilderten Fall genügte der Einzelzahnmodus. Für laborgefertigte Restaurationen kann es vorkommen, dass die Farbe im System 3D-MASTER benötigt wird. Das Gerät ermöglicht die Anzeige in beiden Skalen, entweder einzeln oder sogar nebeneinander. Will man die Farbe der Restauration auf dem Gipsmodell messen, wechselt man in den Restaurationsmodus. So ist es möglich, die in der Mundumgebung am Referenzzahn gemessene Farbe an der Krone oder Brücke zu überprüfen. Zu diesem Zweck – und insgesamt, um Messungen miteinander zu vergleichen, – speichert das Gerät Datensätze. In unserem Fall konnten wir auf diese Weise die Farbergebnisse vor und nach dem Eingriff gegenüberstellen.
Diskussion
Dem Behandler stellt Zahnhalskaries in Folge des charakteristischen Farbverlaufs erfahrungsgemäß besondere Aufgaben. Die Auswahl an intensiven opaken Nuancen ist innerhalb des Farbspektrums eines Komposits relativ begrenzt. Man kann sich kaum während des Schichtens an das richtige Farbbild „herantasten“ und dieses korrigieren. Dies gilt umso mehr, da der betroffene Zahn während des Arbeitens unter Kofferdam dehydriert und sich aufhellt. Die Füllung lässt sich während des Einbringens der Inkremente nicht mit der Farbe der Zahnumgebung vergleichen. Das versuchsweise Setzen eines Kompositpunkts bringt kein Resultat, dem man immer vertrauen könnte. Gefordert ist die verlässliche Farbbestimmung im Vorfeld, sodass die Schichtung geplant werden kann. Wenn der Patient dann ein paar Tage nach der Rehabilitation wieder einbestellt wird und sich die Dehydrierung zurückgebildet hat, muss das Ergebnis überzeugen. Misst man die Farbe im definierten Messlicht unter Ausschluss des Umgebungslichts, schaltet man Unwägbarkeiten aus und minimiert das Risiko für Farbkorrekturen.
Zahnarzt Knut Mau
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