07. Dezember 2010 in Kategorie: Zahnmedizin

Abbildungen

War über Jahrzehnte das konventionelle Zementieren mit Phosphatzementen oder GIZ-Zementen weltweit in den Zahnarztpraxen Stand der Technik, so kamen mit der Einführung von metallfreien Restaurationen auch neu entwickelte Einsetzwerkstoffe auf die Praxen zu …

Zahnarzt Florian Gierl, Bad Reichenhall

Viele dieser neuen „Zemente“ waren in der Anwendung sehr technikintensiv. Hier war der Zahnarzt, aber auch die zahnärztliche Mitarbeiterin in hohem Maße gefordert. Gleichzeitig mussten für verschiedene Restaurationsmaterialien verschiedene Zemente in der Praxis vorgehalten werden, was wiederum – auch unter Beachtung der eingeschränkten Haltbarkeit in der Praxis mit unter zu logistischen Problemen geführt und die Mitarbeiterinnen erneut gefordert hat.

Seit einiger Zeit sind nunmehr selbstadhäsive Zemente erhältlich, die vom Hersteller für weitgehend alle definitiven Befestigungen indirekter Restaurationen sowie von Wurzelstiften in der zahnärztlichen Praxis zugelassen sind. Somit konnte hier eine erhebliche Erleichterung für die Praxis geschaffen werden. seT PP ist ein selbstadhäsiver Befestigungswerkstoff für alle indirekten Restaurationen inkl. Wurzelstiften (Abb. 1). Dies bedeutet, dass die aufwändige und mitunter auch fehleranfällige Konditionierung der Zahnhartsubstanz entfällt.

Vorbereitung der Werkstücke
Glaskeramiken werden mit Alkohol gereinigt, mit gepufferter Flusssäure in der Praxis auf der Innenseite geätzt – eine Ätzung im Labor hat sich nicht bewährt, da die Werkstücke bei der Einprobe wieder kontaminiert werden können. (Cave! das Ätzgel nicht auf Keramikwaschbecken bringen, Brille und Handschuhe tragen). Bei der Ätzung ist darauf zu achten, dass das Ätzgel bis zum Inlayrand aufgebracht wird, damit insbesonders in diesem sensiblen Bereich ein optimaler Verbund Werkstück-Zement erfolgen kann. Anschließend erfolgt vor dem Einsetzen noch das Aufbringen eines Silans auf dem Werkstück (Abb.3).

Metallbasierte Werkstücke werden nach dem Reinigen mit Aluminiumoxid Korngröße 50 μm gestrahlt (Abb.4). Dieser Schritt kann am Stuhl erfolgen, hierzu verwenden wir den DENTO-PREP-Strahler der dänischen Firma Ronvig (Abb.4). Dieser wird mittels Adapter direkt an die Turbinenschnellkupplung der Einheit angeschlossen. Um eine Kontamination der Umgebung mit dem Strahlgut zu vermeiden, sollte auf eine gute Absaugung geachtet werden. Anschließend wird das Werkstück vor demEinsetzen ebenfalls silanisiert.

Zirkonkeramiken werden analog der metallbasierenden Werkstücke behandelt, jedoch sollte darauf geachtet werden, dass der Druck des Aluminiumoxidstrahlers max. 2,5 bar betragen sollte. seT PP ist in der Automixvariante ausgesprochen anwenderfreundlich. Entgegen einer Kapselmischung erfolgt die korrekte Dosierung und Mischung der beiden Pasten erst am Stuhl direkt vor der Zementierung.

seT PP ist in folgenden Farben erhältlich: transparent, A1, A2, OA3 und opak weiß. Hier ist auch darauf hinzuweisen, dass das Material Fluoride enthält, die über längere Zeit an den Zahn abgegeben werden, was zu einer Kariesprotection führt. Das Einsetzen der Werkstücke sollte unter absoluter Trockenlegung erfolgen. Ist ein vollständiges Trockenhalten des Arbeitsfeldes mit Watterollen möglich, kann auf Kofferdamm unter Umständen auch verzichtet werden. Nach dem Einsetzen kann der überquellende Einsetzzement leicht nach einer kurzen Anhärtung mit der Polymerisationslampe (5 bis max. 10 Sek.) mit einer Sonde oder einem Skalpell (Abb.7) (z.B. Figur Nr. 11) entfernt werden. Im Einzelfall hat es sich auch bewährt die Überschüsse aus dem Aproximalraum mit Superfl oss noch vor dem Aushärten zu entfernen.

Nach Abschluss der Aushärtezeit erfolgt wie üblich eine sorgfältige Kontrolle und gegebenenfalls Politur mit EVA Instrumenten und Gummipolierern.

Fall 1
Ein Patient (68 Jahre) stellte sich in unserer Praxis mit gelöstem Glasfaserstiftaufbau unter einer Teleskopkappe vor (Abb.5). Mit dem Patienten wurde besprochen, einen gegossenen Gold-Stiftaufbau mit einem längeren Stift anzufertigen, der in das Primärteleskop eingepasst wurde, damit dieses erhalten bleiben konnte. Die Präparation des Stiftaufbaus erfolgte mit dem Parapost-XP-System (Firma Coltène).

Der im Labor gefertigte Goldaufbau wurde nach Einprobe im Mund des Patienten gründlich mit Alkohol gereinigt und anschließend mit Aluminiumoxid 50 μm gestrahlt. Anschließend erfolgten die Silanisierung sowie ein Ablüften des Silans über 5 Minuten. Der Stumpf inklusive des Stiftkanals wurde mit Alkohol gereinigt und mit Papierspitzen sowie Luft getrocknet.

seT PP wurde unter Zuhilfenahme der langen abgewinkelten Ansätze (Abb.1) direkt in den präparierten Stiftaufbaukanal eingespritzt (Abb.6) und zusätzlich auf das Gussstück aufgetragen. Sofort im Anschluss zum neuen Stiftaufbau wurde das Primärteleskop ebenfalls mit seT PP eingegliedert. Nach einer kurzen Anpolimerisation von ca. 5–10 Sek. je Fläche konnten die Zementüberschüsse problemlos entfernt werden (Abb.7). Zur endgültigen Aushärtung wurde die Teleskopprothese eingesetzt, wobei das entsprechende Sekundärteleskop zuvor mit Vaseline eingestrichen wurde um ein Verkleben zu vermeiden.

Fall 2

Bei der 68-jährigen Patientin wurde am Zahn 14 eine Kronenversorgung notwendig. In Absprache mit der Patientin entschieden wir uns für eine Versorgung mit einer Zirkonkrone.

Die Präparation erfolgte mit einer ausgeprägten Hohlkehle (Abb. 8). Nach der Einprobe erfolgte die Desinfektion der Krone und des Zahnstumpfes mit Alkohol (H2O2 ist nicht geeignet) (Abb.9). Anschließend wurde die Krone mit Aluminiumoxid 50 μm gestrahlt, wobei auf einen max. Druck von 2,5 bar geachtet wurde.

Abschließend wurde die Krone auf der Innenseite mit Silan bestrichen. Das Einsetzen erfolgte mit seT PP wobei hierbei die preislich günstigeren geraden Ansätze verwendet werden können (Abb.1 und 10). Auch in diesem Fall war eine problemlose Entfernung der Überschüsse nach kurzer Polymerisation (Abb.11) in der gelartigen Phase möglich (Abb.12).

Weitere Informationen
Zahnarztpraxis
Florian Gierl
Wisbacherstraße 1
D-83435 Bad Reichenhall
Tel.: +49 (0) 86 51 – 24 35
Fax: +49 (0) 86 51 – 2347
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
www.Gierl.de

[ Zurück ]

Aus dem Portfolio der Barometer Verlagsgesellschaft

Barometer Verlagsgesellschaft

Full Service Print und Online

  • Verlagsinformationen
  • Dienstleistungsangebote
  • Mediadaten und Publikationen
www.barometer-verlag.de

Dental Barometer Infoportal

Das Fachmagzin für die Zahnmedizin

  • Aktuelle Meldungen
  • Anwenderberichte
  • Veranstaltungs- und Fortbildungskalender
www.barometer-online.info

Recall Infoportal

Das Praxisteam-Magazin

  • Aktuelle Themen der Praxis
  • Ausführlicher Serviceteil
  • Veranstaltungs- und Fortbildungskalender
www.recall-magazin.de

Buchspiegel Online-Shop

Fachliteratur für Zahnspezialisten

  • Deutschlands größtes Fachbuchsortiment
  • Leseproben
  • Rezensionen und Bewertungen
www.buchspiegel.com

Barometer Wissen

Fort- und Weiterbildung in der Zahnmedizin

  • Fortbildung für Praxisinhaber - national und international
  • Workshops und Hands-on Kurse bundesweit
  • Praktische Kurse für das zahnmedizinische Praxispersonal
www.barometer-wissen.de
Weitere Online-Medien