27. Januar 2010 in Kategorie: Zahnmedizin

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Im Kindesalter werden die Weichen für eine gute Mundhygiene gestellt. Umso wichtiger ist es, Kinder und Eltern in dieser Phase zu unterstützen. Seit September ist die erste Sonicare Schallzahnbürste speziell für Kinder – die Sonicare For Kids – im Laden erhältlich. Im Interview mit PD Dr. Matthias Pelka vom Universitätsklinikum Erlangen erfahren wir, wie effektiv die Kinderschallzahnbürste wirklich Plaque-Biofilm entfernt und welchen Beitrag sie zur häusliche Mundhygiene bei Kindern leisten kann.

Interview mit: PD Dr. Matthias Pelka, Universitätsklinikum Erlangen

Dr. Matthias Pelka Dr. Matthias Pelka

Dental Barometer: Dr. Pelka, Sie haben am Universitätsklinikum Erlangen eine Studie zur Wirksamkeit der Plaque-Biofilm-Entfernung mit der neuen Sonicare For Kids im Vergleich zu einer Handzahnbürste durchgeführt. Was ist das Besondere an der Studie?

Dr. Pelka: Das Alter der Patienten. Es erschien uns zuerst unglaublich schwierig, zuverlässige wissenschaftliche Daten bei einer so jungen Patientengruppe im Alter von 4 bis 7 Jahren zu erzielen. Mit den richtigen Rahmenbedingungen hat es aber geklappt: Da wir bei dieser Altersgruppe nicht davon ausgehen konnten, dass die Kinder selbständig die Zähne putzen, wurden in der Studie zwei Dentalhygienikerinnen eingesetzt. Sie putzten den insgesamt 68 Kindern mit den jeweiligen Bürsten die Zähne. So konnten wir sicherstellen, dass mit jeder Bürste möglichst optimal und auch zeitlich exakt geputzt wurde. Auch das „Drumherum“ während der Studiendurchführung war für die Motivation unserer sehr jungen Studienteilnehmer wichtig. Viele Helferinnen und Zahnärztinnen betreuten die Kinder dabei sehr individuell und ermöglichten so einen für diese Altersgruppe unerwartet präzisen Studienablauf.

Dental Barometer: Welche Ergebnisse haben Sie überrascht?

Dr. Pelka: Besonders überrascht hat mich der ungewöhnlich große Unterschied in der Plaqueentfernungseffektivität zwischen der Sonicare For Kids und der Handzahnbürste. Aufgrund der Ergebnisse von vielen klinischen Studien haben wir deutlich geringere Unterschiede erwartet. Dass nach einer Minute Putzen der Effektivitätsunterschied zur Handzahnbürste etwas mehr als 10 % und nach zwei Minuten Putzen mehr als 15 % betragen würde, das hätte ich bei der Studienplanung absolut nicht erwartet.

Dental Barometer: Wie lässt sich das erklären?

Dr. Pelka: Unsere Vermutung geht dahin, dass die Sonicare For Kids durch die schallaktiven Borstenbewegungen bei Milchzähnen leichter die Problemzonen – nämlich den Zahnhals und die Approximalbereiche – erreicht als die Handzahnbürste. Der anatomische Unterschied der Milchzähne zu den bleibenden Zähnen könnte das deutlich bessere Abschneiden erklären. Das heißt, dass insbesondere Milchzähne von der Schalltechnologie profitieren können.

Dental Barometer: Decken sich die Ergebnisse mit anderen Studien – auch in anderen Altersgruppen?

Dr. Pelka: Auf dem IAPD Kongress 2009 in München präsentierte Philips fünf verschiedene wissenschaftliche Studien zur neuen Sonicare For Kids. Mir persönlich waren die Ergebnisse dieser Studien vorher noch nicht bekannt. Ich war wirklich sehr erstaunt, dass die Kinderschallzahnbürste auch in der Altersgruppe von sieben bis zwölf Jahren ähnlich gute Ergebnisse zeigte wie in unserer Studie mit den vier- bis siebenjährigen Kindern. In den anderen Studien wurde das Putzen von den Kindern selbst durchgeführt, so dass wir unsere Ergebnisse bestätigt sahen. Es hat den Anschein, dass sich das richtige – also effektive Putzen – mit der Sonicare For Kids von den Kindern wohl leichter erlernen lässt als das mit einer Handzahnbürste.

Dental Barometer: Wie beurteilen Sie elektrische Zahnbürsten im Vergleich zu Handzahnbürsten?

Dr. Pelka: Der wesentliche Vorteil der elektrischen Zahnbürste gegenüber der Handzahnbürste ist wohl der, dass das Erlernen einer schwierigen Putztechnik bei der elektrischen Zahnbürste nicht notwendig ist. Grundsätzlich kann auch mit einer Handzahnbürste ein vergleichbares Putzergebnis erreicht werden. Fast immer ist damit jedoch ein deutlich höherer Zeitaufwand verbunden.

Dental Barometer: Kann der Mensch die richtige Putzdauer überhaupt einschätzen?

Dr. Pelka: Der Mensch hat zwar bekanntermaßen einen quasi von der Natur mitgegebenen Zeitgeber – die Sonne. So kann unser Körper ohne weiteres einen 24 h Rhythmus aufrechterhalten. Aber leider haben wir kein Organ, das uns einen Minutentakt signalisiert, so dass die als ausreichend „gefühlte“ Zahnputzzeit meist deutlich unter einer Minute liegt. Dazu hilft als wesentliches Tool der in die elektrische Zahnbürste eingebaute Timer. Die neue Sonicare For Kids ist außerdem mit einer Eingewöhnungsphase versehen, was gerade die Kinder zu Beginn langsam an eine vernünftige Putzzeit heranführt.

Dental Barometer: Wie bewerten Sie die Schalltechnologie?

Dr. Pelka: Grundsätzlich sehr positiv. Gerade die durch Schall ausgelöste Borstenbewegung ist in der Lage, Plaque-Biofilm auch an schwer zugänglichen Stellen in der Mundhöhle zu entfernen. Die Modifikationen der Sonicare For Kids sind ganz speziell an die Bedürfnisse des Milch- und Wechselgebisses angepasst. Die reduzierte Amplitude reduziert unangenehme Gefühle, wie z.B. das Kitzeln an der Gingiva. Wie die Ergebnisse der ersten Studien gezeigt haben, ist die Schalltechnologie der Handzahnbürste wohl deutlich überlegen. Auch das Putzen an sich lässt sich für die Kinder leichter erlernen.

Dental Barometer: Wie wichtig ist das Thema Compliance bei jungen Patienten? Sehen Sie hier Handlungsbedarf?

Dr. Pelka: Häufig wird dieses Thema im Zusammenhang mit der ECC, der frühkindlichen Karies, und deren Behandlung genannt. Ziel der Prophylaxe sollte es sein, gerade auch die Kinder mit dem höchsten Kariesrisiko zu erreichen – und zwar möglichst bevor die Zahnzerstörungen durch Karies ein zu großes Ausmaß angenommen haben. Wenn man sieht, wie schnell sich manche elektronischen Geräte – z.B. Handys – in allen Bevölkerungsgruppen flächendeckend ausgebreitet haben, dann sollte dies auch das Ziel für die Verbreitung von hygiene- und damit gesundheitsverbessernden Maßnahmen – wie etwa elektrischen Zahnbürsten – sein. Hier sollten konkrete Maßnahmen von den Eltern, der Industrie sowie der Politik ergriffen werden.

Dental Barometer: Welchen Stellenwert in der Praxis sollte die Prophylaxe bei Kindern haben?

Dr. Pelka: Einen möglichst hohen. Prophylaxe bei Kindern bedeutet in der Regel auch die Miteinbeziehung des Elternhauses. Aufgabe der Praxis muss es sein, Eltern und Kinder zur Mundhygiene zu motivieren und mit dem richtigen Umgang mit den verschiedenen Zahnbürsten vertraut zu machen. Die eigentliche Prophylaxe soll ja täglich im Elternhaus stattfinden. Denn nur wenn die Eltern ihren Kindern mit einem guten Vorbild vorangehen und sie zum sorgfältigen Putzen ermutigen, kann eine Prophylaxe erfolgreich sein. Ich denke, dass elektrische Zahnbürsten, gerade auch für Kinder, einen wichtigen Stellenwert einnehmen können. Den Kindern kann dadurch vermittelt werden, dass das, was sie selbst tun, wichtig ist und die elektrische Zahnbürste nicht nur den Erwachsenen vorbehalten ist.

Dental Barometer: Dr. Pelka, wir bedanken uns für das Gespräch!

Informationen:

Internet: http://www.philips.de

 
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