09. Februar 2010 in Kategorie: Aktuell

Mundhygiene ist die beste Prophylaxe für gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch, die auf häuslicher Pflege und professioneller Zahnreinigung (PZR)fußt. Dass die zahnärztliche Primärprävention heute über die PZR hinausgehen sollte, wurde aktuell in einem Symposium beim diesjährigen Deutschen Zahnärztetag diskutiert, das Wechselwirkungen zwischen entzündlichen Mundhöhlenerkrankungen und dem
Gesamtorganismus aufzeigte.

Rauchentwöhnung und Ernährungsberatung sind weitere Strategien, mit denen Zahnmediziner die individuelle Mundgesundheit der Patienten verbessern und Risikofaktoren für den gesamten Organismus verringern können. Die PZR mit dem Ziel der effektiven und sicheren Plaqueentfernung ist ein wichtiger Bestandteil in der Prävention oraler Erkrankungen.
Dass die Plaque nicht nur eine Ablagerung auf den Zähnen ist, sondern ein aktiver Biofilm in dem die Bakterien unter
anderem Interaktionen und Stoffwechselkooperationen eingehen, erläuterte Dr. Alexander Welk, Oberarzt am Universitätsklinikum Greifswald, beim Deutschen Zahnärztetag in München.

Durch die Bildung eines etablierten Biofilms über mehrere Stufen kommt es zu einer Verschiebung des Keimspektrums hin zu den für die oralen Erkrankungen wie Karies, Gingivitis und Parodontitis verantwortlichen pathogenen Mikroorganismen. Schon in kürzester Zeit nach der Zahnreinigung bildet sich die Pellikel – ein nicht bakterieller Proteinfilm – auf der Zahnoberfläche aus, worauf sich nach einigen Stunden sogenannte Erstbesiedler bzw. Pionierkeime anlagern. Diese aeroben bzw. fakultativ aeroben Bakterien sind die Voraussetzung für die Anlagerung der Nachfolgekeime. Die von den Bakterien über Stoffwechselprozesse gebildete organische Matrix dient sowohl als Gerüst als auch Nahrungsspeicher. Die Vermehrung der pathogenen anaeroben Mikroorganismen im etablierten Biofilm führt letztendlich über die Bildung von Säuren zu Karies und über die Freisetzung von Toxinen zu Entzündungen der Gingiva bzw. wirtsabhängig zur Schädigung des Parodontiums.

„Tägliche Mundhygiene arbeitet der Entstehung des etablierten Biofilms entgegen. Die Effektivität der mechanischen Zahnreinigung kann durch antibakterielle Mundspüllösungen unterstützt werden“, betonte Welk. So können ätherische Öle (Listerine®) dazu beitragen, die Entfernung der Plaque durch Zahnbürste und Zahnseide noch zu verbessern , da sie auch an unzugänglichen Bereichen wirken können.

Um der Bekämpfung der Problemkeime des Biofilms Herr zu werden, setzen aktuelle Forschungsansätze etwa auf die Suche nach neuen Wirkstoffen, Enzymen oder auch Antikörpern, die die Anlagerung von Bakterien auf der Zahnoberfläche bzw. die Pathogenität des Biofilms verhindern sollen.

Doch auch angesichts solcher innovativer Strategien resümierte Welk: „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine effektivere Alternative zu dem praktisch erprobten Prophylaxekonzept der chemo-mechanischen Plaquekontrolle, bei dem tägliche häusliche Mundhygiene und die PZR in den Praxen mit individuellem Recall-System ineinander greifen.“

Aufklärung über systemische Zusammenhänge

Im Rahmen der PZR können Zahnärzte über weitere individuelle Risikofaktoren aufklären, empfahl Professor Bernd-Michael Kleber, Universitätsklinikum Charité Berlin, auf der Veranstaltung in München und plädierte für eine ganzheitliche Prophylaxe in der Zahnmedizin. Studien zum Zusammenhang zwischen Parodontitis und Allgemeinerkrankungen zeigen, dass Prävention und Therapie oraler Erkrankungen das Risiko systemischer Erkrankungen verringern können. Parodontitis erhöht etwa das Mortalitätsrisiko bei Typ-2-Diabetikern oder das Risiko für wiederkehrende Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Kleber betonte, dass die Parodontitisbehandlung eine Chance für diese Patienten bietet: Nach der parodontalen Therapie kann sich die Endothelfunktion und die Dilatation der Blutgefäße deutlich verbessern.

Angesichts des stark erhöhten Risikos für Parodontitis bei Übergewicht mit einem BMI über 30 schlug Kleber vor, auch Ernährungsgewohnheiten und Zuckerkonsum der Patienten anzusprechen.

Weitere Informationen:

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Internet: http://www.listerine.de

 
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