29. November 2011 in Kategorie: Zahnmedizin
Die Deutschen werden immer älter. Während die Geburtenrate zurückgeht, ist die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten für Frauen und Männer stetig gestiegen. Die demografische Entwicklung stellt eine große Herausforderung für die Gesellschaft, insbesondere auch für die Zahnmedizin, dar. Es gilt, die zahnmedizinische Versorgung von immobilen und pflegebedürftigen Menschen sicherzustellen.
Über zwei Millionen Menschen sind in Deutschland pflegebedürftig. Sie werden zu Hause von Angehörigen oder in Senioren- und Pflegeheimen von geschulten Pflegekräften betreut. Die Pfleger und Angehörigen spielen also eine entscheidende Rolle, was die Zahnpflege angeht. Ihr nötiges Wissen und ihre Vernetzung mit Zahnmedizinern und Zahntechnikermeistern entscheiden über die Qualität der Mundgesundheit von pflegebedürftigen Menschen. Ein wichtiges Ziel in der modernen Alterszahnmedizin ist demnach die Schulung von professionellen Pflegekräften und Angehörigen in Sachen Zahn- und Zahnersatzpflege. Zahlreiche Landeszahnärztekammern haben bereits Pilotprojekte gestartet, die im Rahmen von Fortbildungen und gezielter Unterweisung notwendiges Wissen vermitteln. Zuletzt führten die Zahnärztekammer Berlin, die Zahntechniker- Innung Berlin-Brandenburg und die Deutsche Gesellschaft für Alterszahn- Medizin e.V. gemeinsam das Modellprojekt „Saubere Dritte in der Pflege“ durch. Hiernach sei nur jede vierte Prothese frei von riskantem Zahnstein.
Hausbesuch im Kommen
Ein weiterer wichtiger Schritt bei der zahnmedizinischen Versorgung von immobilen Menschen ist es, die ambulante Behandlung vor Ort zu ermöglichen, sprich die Zahnärzte an die Betten von Pflegebedürftigen zu bringen. Die Deutsche Mundgesundheitsstudie IV zeigt, dass alte Menschen zwar immer mehr eigene Zähne aufweisen, andererseits aber gehäuft Wurzelkaries und schwere Erkrankungen des Zahnhalteapparates auftreten. Die immobilen Patienten darunter sind demnach auf den mobilen Zahnarzt angewiesen. Möglich ist eine Behandlung vor Ort durch eine sogenannte „mobile Praxis“. Im günstigsten Fall eine mobile Behandlungseinheit.
Engagement im Team
Die zahnärztliche Behandlung im Rahmen eines Hausbesuches ist sehr personal-, zeit- und kostenaufwendig. Derzeit ist diese Behandlungsmöglichkeit im Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenversicherung nicht ausreichend abgebildet. Daher versuchen zurzeit lokale und durch die Landeszahnärztekammern initiierte sowie begleitete Zahnärzteinitiativen die vorherrschenden Defizite auszugleichen. Ein Beispiel aus der Praxis ist das Projekt „Bis(s) ins hohe Alter“. Es wurde 2008 in Nordrhein- Westfalen mit dem „Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen“ ausgezeichnet. Die Landesregierung würdigte mit dem Preis die verbesserte Zahngesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner von Altenpflegeheimen in Grevenbroich durch die Initiative „Gemeinschaft Grevenbroicher Zahnärzte“. In diesem Jahr haben die Bundeszahnärztekammer, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und zahnmedizinische Wissenschaft der Gesundheitspolitik ein Gesamtkonzept für die Verbesserung der zahnmedizinischen Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen unter dem Titel „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“ zur Umsetzung vorgelegt.
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